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Warum die Industrialisierung in England begann
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Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) Rezension bezieht sich auf: Weltgeschichte (Gebundene Ausgabe) Dieses Buch behandelt die Weltgeschichte von den ersten Vorgängern des Menschen bis zur Finanzkrise 2008.
Im ersten Teil wird erläutert, was Weltgeschichte (nicht) ist. Die Geschichte läuft nach keinem Plan ab und hat kein Ziel. Deshalb irren die Philosophien der Weltgeschichte und die Analogie zur Biologie ist ebenfalls abzulehnen (es gibt keine Stufen wie Blüte, Reife oder Absterben von Kulturen). Viele Ansätze sind einseitig, besonders die wirtschaftswissenschaftlichen (z. B. Birdzell / Rosenberg: "How the West Grew Rich").
Die Weltgeschichte ist ein Prozess, der sich auf drei Ebenen abspielt: 1. Wirtschaft 2. Macht 3. Kultur Der Prozess kann sich auf diesen Ebenen in unterschiedlicher Geschwindigkeit abspielen, woraus sich die Geschichte der Länder bzw. Regionen ergibt.
Während das Buch nebenbei die gesamte Weltgeschichte in allen Teilen der Erde behandelt, so steht bei allem die große Frage der Geschichte im Vordergrund: Warum entstanden Kapitalismus und Industrialisierung in Europa, obwohl China und Islam früher viel fortschrittlicher waren?
Die wichtigste Eigenschaft einer Gesellschaft ist Innovationsfähigkeit; dazu trägt eine funktionierende Zivilgesellschaft bei, indem sie Kommunikation ermöglicht. Zur Industrialisierung benötigt man zudem Arbeitskräfte und Energie (damals Kohle), damit die neue Technik umgesetzt werden kann. Dabei darf der Staat die Zivilgesellschaft nicht bevormunden, kann aber als Anstoß wichtige Impulse durch Subventionen oder Schutzzölle liefern. Dazu muss man die Innovationsfeindlichkeit der Gewerkschaften bzw. Zünfte überwinden (Industrialisierung und Strukturwandel können kurzfristig Arbeitsplätze vernichten, haben aber langfristig positive Auswirkungen).
Die Wege zur Zivilgesellschaft sind:
Stände -> Parlamente (zunächst des Landadels, später der ganzen Bevölkerung) Recht -> Menschenrechte und Verfassungen Märkte -> Marktwirtschaft, Weltwirtschaft, Geld
Die weiteren Ausführungen behalten die Unterschiede zwischen Industrie- und Entwicklungsländern im Fokus und beleuchten u. a. die Erfolglosigkeit der Entwicklungshilfe. Nebenbei werden die Probleme von Sozialismus und Neoliberalismus diskutiert.
Im Gegensatz zu Europa waren die USA eher marktwirtschaftlich geprägt (der Bürgerkrieg entstand auch aus einem Zollstreit zwischen Nord- und Südstaaten). Vor dem Regierungsantritt von Roosevelt 1933 und dessen "New Deal" gegen die Weltwirtschaftskrise hatten dort Kartelle und Großkonzerne die überhand gegenüber den Gewerkschaften. Nachdem US-Präsident Nixon in den 1970er Jahren die Golddeckung des Dollars aufhob, entstanden so genannte Derivate zur Absicherung gegen Kursschwankungen. Daraus entstand der Kasinokapitalismus. Deregulierungen unter Thatcher und Reagan trugen zur Asienkrise Ende der 1990er Jahre bei. In der aktuellen Bankenkrise werden die Ideen von Lord Keynes, welche dieser angesichts der Weltwirtschaftskrise äußerte, wieder salonfähig: Alle erwarten vom Staat Hilfe.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Während der Schwerpunkt auf Europa liegt, werden auch die Kulturen / Staaten Amerikas, Asiens und Ozeaniens in die Diskussion einbezogen. Durch die eher themenbezogene Darstellung sind die Ausführungen häufig nicht chronologisch und können sich auch wiederholen. Die Regierungszeiten einzelner Herrscher sind dabei irrelevant. Mit der Darstellung der Wirtschaft bin ich nicht immer einverstanden; so werden z. B. die wiederkehrenden Krisen immer vom Staat bzw. dessen Zentralbank verursacht. Das ist heute nicht anders als während der Weltwirtschaftskrise und im Falle Nixons auch entsprechend dargestellt. Zudem ist es mir unverständlich, warum der Autor erst einseitige Darstellungen ablehnt und dann in den Fußnoten auf das marxistische Werk Sherman: "How Society Makes Itself" verweist. Ich würde eher Bernstein: "Die Geburt des Wohlstands" ("Birth of Plenty") empfehlen, wo die Hauptfaktoren der Industrialisierung in Rechtsordnung, Wissenschaftskultur, Kapitalmärkten und Kommunikation / Transport gesehen werden.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 7. November 2009 | | |
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